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SIR CLEGES.
EINE MITTELENGLISCHE ROMANZE.
I. EINLEITUNG.
INAUGURAL-DISSERTATION
ZUR
ERLANGUNG DER DOCTORWÜRDE
VON DER
PHILOSOPHISCHEN FACULTÄT
DER
ALBERTUS -UNIVERSITÄT ZU KÖNIGSBERG IN PR.
GENEHMIGT
UND NEBST DEN BEIGEFÜGTEN THESEN
& ONN 1 DEND , DEN APRIL 1896,
MITTAGS 12 UHR
ÖFFENTLICH VERTHEIDIGT
VON
ADOLF TREICHEL
AUS RIESENBURG.
OPPONENTEN:
ARTHUR THURAU, cand. prob.
CARL VON FLOTHOW, dr. phil., predigtamts-kandidat.
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ALTENBURG,
PIERER’SCHE HOFBUCHDRUCKEREI, STEPHAN GEIßEL & Co.
1896.
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Separatabdruck aus : Englische Studien band XXII, wo auch der rest der
abhandlung zum abdruck gelangen wird.
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HERRN LANDRATH a. d.
GRAFEN VON RITTBERG
AUF STANGENBERG
IN DANKBARER VEREHRUNG
GEWIDMET
VOM VERFASSER
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Die mittelenglische romanze von Sir Cleges, die sich äusser-
ich an den Sagenkreis des königs Arthur anschliesst, aber nicht
wie die sonstigen Artusromanzen von den kämpfen und abenteuern
des helden erzählt, sondern einen in den litteraturen verschiedener
Völker wiederkehrenden schwank auf die person des ritters Cleges
überträgt, ist von Henry Weber nach einer leider unvollständigen
hs. in der Advocates Library zu Edinburgh im I. bande seiner
Metrical Romances, Edinburgh 1810, p. 3 29 ff., veröffentlicht worden.
Weber’s Sammlung ist aber längst vergriffen und in Deutschland
selbst in bibliotheken nur selten anzutreffen ; daher mag es kommen,
dass dieses inhaltlich nicht uninteressante gedieht bisher von den
forschem sehr vernachlässigt worden ist. In ten Brink’s Gesch.
der engl. litt, und in Körting* s Grundriss der gesch. der engl litt, ist
die romanze von Sir Cleges überhaupt nicht erwähnt ; nur Brandl
(Mittelengl. litt., in Pauls Grundriss II. abt. 1) widmet ihr p. 697
wenige worte. In der grammatischen Untersuchung von Oskar
Wilda : »Ueber die örtliche Verbreitung der zwölfzeiligen schweifreim-
strophe in England«, Breslau 1887, ist unser gedieht übergangen,
obwohl es in derselben Strophenform verfasst ist, wie die anderen
dort behandelten dichtungen. Ebenso ist bisher noch kein ver-
such gemacht worden, die quellen des gedichtes festzustellen und
den darin erzählten sagenstoff in seinen mannigfachen Variationen
weiter zu verfolgen.
Dazu kommt , dass inzwischen eine zweite, Weber unbekannt
gebliebene, vollständigere hs. des Sir Cleges in der Bodleian
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Library zu Oxford aufgefunden worden ist; erst mit hilfe dieser
zweiten, bisher noch ungedruckten hs. lässt sich ein vollständiger
text des gedichtes hersteilen. Ich will es darum im folgenden
versuchen, eine neue ausgabe der romanze von Sir Cleges zu ver-
anstalten und in der einleitung hierzu die mit dem gedichte in Zu-
sammenhang stehenden litterar historischen, textkritischen, metrischen
und grammatischen fragen eingehend zu erörtern.
I. Literarhistorisches.
a) Inhalt des Sir Cleges.
Den inhalt des Sir Cleges bildet folgende erzählung:
Zur zeit des königs Uter, des vaters von könig Arthur, lebte ein edler
ritter, mit namen Cleges, der an edelmuth und freigebigkeit kaum seines
gleichen fand. Dieselbe milde und güte des herzens zeichneten seine gemahlin
Clarys aus. Alljährlich zur Weihnachtszeit pflegte der ritter zu ehren des
heilandes ein grosses fest zu veranstalten, zu dem arm und reich, alt und
jung geladen war. In grossen mengen strömten besonders die sänger zu dieser
festlichkeit, wussten sie doch, dass sie nicht mit leeren händen abziehen würden.
Allmählich aber hatte der ritter sein hab und gut in diesen lustbarkeiten ver-
schwendet, so dass ihm zuletzt nur ein gütlein blieb, das kaum ausreichte, ihn
und seine familie zu ernähren. Von allen mannen und dienern verlassen, lebte
nun Sir Cleges mit weib und kind in gänzlicher Zurückgezogenheit. Zur
Weihnachtszeit aber erinnerte er sich stets der grossen lustbarkeiten, die er
veranstaltet hatte, und so war das fest des herrn für ihn eine zeit tiefer trauer,
so sehr auch seine frau bemüht war, durch tröstende Worte seinen schmerz
zu lindern. An einem weihnachtstage betet nun der ritter in seinem garten
inbrünstig zu seinem heilande, und als er, um aufzustehen, nach einem zweige
greift, bemerkt er an diesem grüne blätter und reife kirschen, die einen herr-
lichen geschmack haben. In seiner verdüsterten Stimmung hält er dies wunder
für das Vorzeichen eines kommenden grösseren Unglücks, seine frau aber sieht
darin ein günstiges omen. Sie räth ihm , einen korb von diesen kirschen
seinem könige zum geschenk zu bringen. Am nächsten morgen macht sich
denn auch Sir Cleges mit seinem ältesten sohne nach schloss Cardyff auf.
Recht bescheiden war ihr aufzug; weder ross noch ritterliche kleidung besass
der ritter, nur ein stab diente ihm beim wandern. Als er nun zum schlosse
des königs kommt, wird ihm in folge seiner ärmlichen kleidung vom thor-
wächter der einlass verweigert, doch als er diesem den zweck seines kommens
mittheilt und die kirschen vorzeigt, erklärt sich der Wächter bereit, ihm den
ein tritt zu gewähren, falls er ein drittel der belohnung erhalte, die dem ritter
vom könige in aussicht stehe. Wohl oder übel geht Cleges darauf ein ; als
er aber zum thürhüter kommt, ergeht es ihm nicht besser, denn auch dieser
lässt ihn nicht früher hinein, als bis ihm ein drittel des gewinns zugesichert
wird. Schliesslich begegnet Sir Cleges in der halle dem haushofmeister , der
für sich ebenfalls ein drittel des geschenks in anspruch nimmt. Um überhaupt
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zum könige gelangen zu können, muss der betrübte ritter das letzte drittel
des muthmaasslichen gewinnes versprechen. Als dann der über den korb
kirschen hocherfreute könig Sir Cleges zur belohnung die gewährung eines
Wunsches zusichert, bittet dieser zur höchsten Verwunderung des königs um
zwölf Stockhiebe, worauf er auch beharrt, als der könig ihn zürnend tadelt.
Schliesslich sieht dieser sich genöthigt, dem wünsche des ritters zu willfahren,
und Sir Cleges vertheilt nun die 12 hiebe gewissenhaft und gründlich an den
haushofmeister, den thürsteher und den thorwächter, um nachher zur grössten
belustigung des hofes dem könige die Ursache seines sonderbaren benehmens
anzugeben. Er wird darauf vom könige, der in ihm seinen ehemaligen treuen
ritter Cleges erkennt, reich belohnt und zu seinem haushofmeister ernannt.
b) Verwandte sagenstoffe.
In unserm gedichte sind zwei verschiedene motive mit einander
eng verknüpft, und zwar:
1) Die erzählung von einem ritter, der durch die ungunst
der Verhältnisse und namentlich durch eine zu grosse freigebigkeit
in armuth geräth, später aber durch irgend ein wunderbares er-
eigniss wieder zu reichthum und ehren gelangt.
Dasselbe motiv begegnet noch in zwei anderen mittelenglischen
romanzen, nämlich in Thomas Chester’s Launfal (hsg. u. a. von
Ritson, Ancient English Metrical Romances, vol. I, London 1802,
p. 170 ff., von Erling, Kempten 1883, von Kaluza, Engl, stud.,
bd. XVIII, p. 168 ff.) und in Sir Amadas (hsg. von Weber,
Metr. Rom. III, p. 241 — 275, und Robson, Three Early English
Metr. Rom., London 1842 p. 27 bis 56. Vgl. auch Hippe, Unter-
suchungen zu der mittelenglischen romanze von Sir Amadas.
Herrig’s archiv, bd. LXXXI, p. 141 ff.
Im Launfal ist es die fee Triamour, welche den helden
seiner armuth wieder entreisst, im Sir Amadas der geist des ver-
storbenen kaufmanns, dessen leichnam Amadas auf eigene kosten
hatte bestatten lassen, in Sir Cleges gott selbst, der ein wunder
wirkt, indem er zur Weihnachtszeit reife kirschen wachsen lässt,
für die Cleges vom könige reiche belohnung erhält.
2) An das überbringen der kirschen an den hof des königs
durch den in armuth gerathenen ritter Cleges ist in unserm gedieht
in geschickter weise ein schwank angeknüpft, der in den littera-
turen verschiedener Völker in verschiedenen fassungen wiederkehrt,
und der erzählt, wie die habgier der thürsteher und überhaupt
der diener von fürsten und königen, welche anderen gebührende
belohnungen an sich reissen wollen, bestraft wird.
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Ich gebe zunächst diejenigen erzählungen, die mehr oder
weniger nähere beziehungen zu unserer romanze haben.
Im Orient finden wir einen ähnlichen zug erzählt vom narren
Nassureddin Chodscha beim kaiser Bajazet I. (Flögel, Gesch. der
hofnarren, p. 178):
Als Nasureddin mit Tamerlan , dem gegner Bajazet’s, bekannt wurde,
machte er demselben zehn stück frühreifer gurken zum geschenk und erhielt
dafür zehn goldstücke. Als nun die gurken reichlicher und leichter zu bekommen
waren, belud er einen ganzen wagen damit und brachte sie Tamerlan. Der
thürsteher liess ihn aber nur unter der bedingung hinein, dass ihm die hälfte
der belohnung ausgezahlt werde. Als nun Nasureddin bei Tamerlan vor-
gelassen wird und ihm seine ladung gurken zum geschenk machen will, be-
fiehlt Tamerlan, ihm so viel hiebe aufzuzählen, als gurken auf dem wagen
sind. Es sind 500. Die hälfte der hiebe erträgt der narr geduldig , dann
aber ruft er, man möge auch dem thürhttter sein theil zukommen lassen. Auf
befragen des königs erzählt er seine Vereinbarung mit dem thürhüter, und
dieser erhält denn auch die übrigen 250 hiebe.
Hier scheint die einfachste und vielleicht auch älteste form
unseres Stoffes vorzuliegen. Die habsucht des thürhüters wird be-
straft, aber jeder erhält die hälfte der prügel in gleicher weise,
ohne dass eine list von seiten des narren hineinspielte.
Mit vielen anderen zügen vermengt finden wir dann den-
selben Stoff in Grimm’ s Kinder- und hausmärchen, und zwar in
nr. 7, »Der gute handel:«
Ein bauer bringt durch das erzählen der thorheiten , die er begangen
hat, die tochter des königs, die so lange nicht gelacht hat, zum lachen. Der
könig bietet ihm zur belohnung die hand seiner tochter an, die der bauer aber
ausschlägt. Der könig wird darüber wütend und befiehlt ihm , in drei tagen
wiederzukommen, damit er 500 aufgezählt erhalte. Der bauer aber vertheilt
davon 200 an die schildwache und lässt sich für 300 von einem juden Scheide-
münze geben. Nach drei tagen erhalten diese beiden ihre prügel, der bauer
aber für den spass, den er dem könige dadurch bereitet hat, eine geldbelohnung.
Mit der erzählung von Nasureddin hat dieses märchen den
zug gemein, dass 500 hiebe ausgetheilt werden. Hier aber tritt
schon die vertheilung des ganzen geschenks unter mehrere personen
auf, wie wir sie in unserer romanze haben, so dass der Überbringer
des geschenks frei ausgeht.
Den sicherlich ursprünglichen zug aber, dass, wie bei Nasur-
eddin , die hiebe beiden personen wirklich ausgezahlt werden,
finden wir wieder in einer erzählung in Wright’s Selection of Latin
Stories, London 1842 (Percy Soc. vol. VIII), p. 122.
CXXVII. De janitore imperatoris Frederici.
Vir quidam ad imperatorem Fredericum veniens cum fructibus, quos
multum dilexit, ingressum habere non potuit nisi janitori lucri permitteret
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medietatem. Imperator vero in fructibus illis delectatus, eum coegit ut aliquid
peteret, qui petiit ut sibi centum ictus dari praedperet. Cujus causam cum
imperator cognovisset, suos ictus leviter, alterius vero graviter solvi jussit.
Die hiebe werden also wirklich ausgezahlt, die einen leicht,
die andern stark. Bemerkenswerth ist ausserdem noch in dieser
erzählung, dass früchte dem kaiser zum geschenk gebracht werden.
In unserer romanze sind es kirschen, bei Nasureddin gurken.
In den Notes, p. 241 bemerkt Wright zu dieser erzählung, die
aus Ms. Reg. 7 E. IV, fol. 249 ro. (Jo. Bromyard, tit. Invidia)
entnommen ist: «This story might be traced through several
centuries. I think I have seen it in old French verse. It will
be found in the collection entitled Nouveaux Contes ä Rire,
Cologne 1722, tom. II, p. 39. Le brochet du Florentin (s. u.)
John of Bromyard, loc. cit. gives another similar story, in which
one man voluntarily loses one of his eyes, in Order that another
should lose both his eyes. This last story is also found in Gower.»
Denselben zug, dass die hiebe verschieden, dem einen leicht,
dem andern stark, ausgezahlt werden, zeigt eine englische er-
zählung aus dem 16. jahrhundert. Sie ist abgedruckt in Old English
Jest-Books vol. III. (Shakespeare Jest-Books) ed. by Hazlitt, p. 40.
The Pleasant Conceites of Old Hobson the Merry Londoner 1607.
Ich lasse sie im Wortlaut folgen:
Nr. 24. How Maister Hobson gave one of his servants the
hälfe of a blind mans benefit.
Maister Hobson beeing stiU very good to poore and most bountyfull to
aged people, there came to him usually twice or thrice a weeke a silly poore
ould blinde man to sing under his window, for the which he continually gave
him twelve pence a time. Maister Hobson had (Orig, reads: having) one of
his servants so chorlish and withall so covitous, that he would ' suffer the blind
man to come no more, unles he shard hälfe his benefit: the which the blind
singing man was forst to give, rather then to loose all. After twice or thrice
parting shares, Maister Hobson had thereof intelligence, who, Consulting with
the blind man, served his servant in this maner; [since] still he looked for
hälfe whatsoever he got. So this at last was Maister Hobsons guift, who gave
commandement that the blind man should have for his singing three-score
jeerkes with a good wippe, and to be equally parted as the other guifts were;
the which were presently given. The blinde mans were but easie, but Maister
Hobson mans’ were very sound ones, so that every jerke drewe bloud. After
this he never sought to deminish his masters bounty.
Grosse ähnlichkeit zeigt auch ein schwank, den Sachetti in
seiner 195. novelle erzählt. (Novelle, Milano 1815 vol. III, p. 169.)
Der inhalt, den schon Weber a. a. o., vol. I, p. XXXIX ff.
mittheilt, ist folgender:
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IO
König Philipp von Valois hatte einen werthvollen lieblingsfalken. Dieser
verstieg sich auf einer jagd so hoch, dass der könig ihn völlig aus dem gesichts-
kreis verlor und er auch von den ausgesandten dienern nicht wieder eingefangen
werden konnte. Auf die wiederbringung des vogels setzte der könig eine beloh-
nung von 200 f ran cs, während mit dem galgen bedroht wurde, wer ihn zurück-
behielte. Ein bauer sah den falken auf einem bäume sitzen und fing ihn. An
den wappen auf den glöckchen erkannte er, dass er einen königlichen vogel
gefangen habe, und da er die bekanntmachung des königs gehört hatte, brachte
er den vogel nach Paris. Unterwegs begegnete ihm ein thürsteher des königs,
der ihm den falken abverlangte. Der bauer weigerte sich, der thürsteher aber
wusste ihn durch drohungen und Versprechungen zu bewegen, ihm die hälfte
der belohnung abzutreten. Darein willigte der bauer, der nun den falken zum
könige brachte. Dieser, hocherfreut, stellte dem bauer einen wünsch frei,
worauf der bauer 50 stockschläge oder ebensoviel geisselhiebe verlangte. Als
der könig nach dem gründe dieser närrischen forderung fragte, erfuhr er die
Vereinbarung, die sein thürsteher mit dem bauer getroffen hatte. Dem diener
liess er nun auch die hälfte der hiebe auszahlen, während der bauer statt
seiner hälfte 200 francs erhielt.
Auch hier haben wir noch die einfachere form. Ein diener
hindert den bringer des geschenks, so dass die prügel zwischen
beiden getheilt werden sollen; beim bauer freilich werden sie in
eine belohnung umgewandelt.
Eine andere, deutsche fassung unseres Stoffes findet sich in dem
gedieht vom Kalenberger pfaffen J ) , dessen entstehung frühestens
in das ende des 14. jahrhunderts fällt. Der inhalt der ersten er-
zählung dieses gedichtes ist folgender:
Zur zeit Ottos des fröhlichen lebte in Wien bei einem reichen bürger
ein kluger und listiger Student. Einst sah er auf dem markte einen überaus
grossen fisch, den zu kaufen er grosse lust zeigte. Er lieh sich daher geld
von dem bürger, kaufte den fisch und brachte ihn seinem fürsten zum geschenk.
Er wurde aber von dem thürhüter nur unter der bedingung eingelassen, dass
er ihm die hälfte der belohnung gebe. Der Student muss es mit einem eide
versprechen und fordert dann von dem über das geschenk erfreuten fürsten
auf dessen frage nach seinen wünschen eine tüchtige tracht prügel. Er erhält
sie, da er auf seinem wünsch besteht, aber als der fürst die Veranlassung
dieses sonderbaren Wunsches erfahren hatte, wurde auch der thürsteher tüchtig
durchgeprügelt. Der Student aber erhielt bald darauf die pfarre von Kalenberg.
Diese erzählung nähert sich sehr der einfachsten form. Der
Student erträgt geduldig die hälfte der prügel, wie auch Nasureddin
die hälfte der stockschläge erhielt.
*) Der pfarrer von Kalenberg Herausgegeben von F. Bobertag, in:
Narrenbuch. Berlin und Stuttgart. S. a., p. 7 ff. Vgl. auch Flögel, Gesch.
der hofnarren p. 254 f.
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II
Wie in dem schwank vom Kalenberger, so bildet auch in
einer französischen erzählung ein fisch das geschenk, das dem
fürsten überbracht wird. Es ist dies die erzählung: «Le brochet
(hecht) du Florentin» in den «Nouveaux Contes ä Rire, auf die
Wright a. a. o. hinweist (s. o. s. 9). Die erzählung lautet:
Nouveaux Contes ä Rire, Cologne 1702, p. 186. Le Brochet du
Florentin.
Un Florentin ayant pris un brochet d’une prodigieuse grandeur, resolut
d’en faire präsent au Grand Duc qui aimait les choses extraordinaires. II se
präsente avec son brochet, et demande ä parier au Grand Duc; mais il n’y
eut pas moyen d’avoir entr£e, ä moins qu’il ne promit ä un des Gardes la
moiti6 de ce qu’il auroit du Duc. Ce Prince admira ce brochet; toute la
Cour en fit de mSme, & il y eut ordre de donner cent Ducats k celui qui
l’avoit apportA L’homme entendant l’ordre : Non, Monseigneur, dit-il, cent
coups de bäton; & non pas cent Ducats. Le Grand Duc £tonne d’un cas si
extraordinaire , lui en demande la raison. C’est, Monseigneur, r£pondit
Thomme, que je n’ai pü avoir entr^e ici sans promettre k un des Gardes de
votre Altesse, qu’il auroit la moiti6 de ce que vous me feriez donner:
Ainsi, je vous prie, de m’en faire donner cinquante & k lui autant. Non,
r^pondit le Duc, ü n’en sera pas ainsi: Vous aurez les cent Ducats, & lui les
cent coups de bäton.
Auch eine andere französische erzählung zeigt ähnlichkeit mit
unserer romanze. In der einleitung zu Sir Cleges sagt Weber
( 1 . c. XL) hierüber: >Tt is probable that the novel of Sacchetti,
as well as Sir Cleges, owed its origin to some French fabliau.
The ingenuity of the trouveurs, in telling several stories upon the
same original foundation is well known to the readers of Bar-
bazan and Le Grand. There is also a distant similiarity between
these stories and the fabliau , entitled c Le dit du Buffet 5 printed
by Barbazan.«
Freilich ist hier der hergang ein anderer, doch lassen sich
immerhin übereinstimmende punkte auffinden. Der inhalt des
französischen fabliau (Barbazan, Fabliaux et Contes. Paris 1808,
tome III, p. 264) ist folgender:
Der haushofmeister eines grafen, ein geiziger, böswilliger mann, der nur
auf sein wohl bedacht war, sah neidisch auf alle, die sein mildthätiger herr
mit almosen und wohlthaten erfreute. Als der graf einst hof hielt und bekannt
machen liess, dass alle, die zum schlosse kämen, frei bewirthet würden, da
kannte des haushofmeisters groll keine grenzen. Er liess seinen ärger an
einem bauer aus, den er sofort beim eintritt mit hohn und spott anredete.
Als jener um einen sitz zum essen bat, tractirte ihn der haushofmeister mit
ohrfeigen (buffes) und sagte: »Da ist dein buffet, das leihe ich dir zum essen
und trinken.« Als dann während des festes der graf eine belohnung für den
besten spass aussetzte, und alle Sänger und spassmacher sich um den preis be-
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mühten, trat schliesslich der bauer vor, überfiel den nichtsahnenden haushof-
meister und prügelte ihn weidlich durch. Auf die verwunderte frage des
grafen, wie er dazu käme, gab der bauer zum grössten gaudium der um-
stehenden die erklärung ab, er gebe nur das »buffet« und das geschirr zurück,
das ihm der haushofmeister zum essen und trinken geliehen habe. Er erhielt
den ausgesetzten preis, während der haushofmeister spott und hohn obendrein
erntete.
Trotz des verschiedenen inhalts hat dieses fabliau doch, wie
gesagt, einige züge mit unserer romanze gemein. Wir haben auch
hier den habsüchtigen diener, der andern die wohlthaten seines
herm nicht gönnt, da er sie nur für sich in anspruch nehmen
möchte, und hierfür gerechte prügel erntet.
Am nächsten an unsere romanze schliesst sich eine englische
fassung unseres Stoffes an. Sie ist abgedruckt in: The Early
English Version of the Gesta Romanorum ed. Herrtage.
London 1879 (E. E. T. S. E. S. 33), p. 413. In den lateinischen
Gesta Romanorum ed. Oesterley ist diese erzählung dagegen nicht
enthalten.
Ich lasse sie ihrer Wichtigkeit wegen im Wortlaut folgen:
Nr. XC. How a king’s son shared his reward.
pere was a kyng some tyme, that had II. sonys, an Eldre, and an
yongere. to the Eldre he bequathe his kyngdome, and gafe it hym in his
lyfe: And the yonger he sette to the scole, for to lere, for he bequathe hym
right nought. The Eldre brothere dwelled at home with his fadre in solace;
the yonge sone beynge atte scole, spendid Euyll the money that was take hym
to the vse of the scole. There come a Frende to the kyng, and passyd by
the scole, and he sawe how the yonge sone gafe hym to no Studie, ne to
his lymyng, but spendid Euyll his tyme, and tolde the kyng. The kyng sente
for his sone, and askid, why he wold not lyrne? aud he seide, hit longed not
to hym, syne he was a kynges sone. then seide pe kyng to hym, »for thou
seyste thy brothere be with me at home in delites, Therfore thou [Ms. than]
woldiste lede his lyfe; but wete wele, thou may not; for when I am dede,
thy brothere hathe wherof he may lyve, for I gafe hym all my kyngdome ;
and I putte the to scole, that thou myght helpe thy seife after my dethe.«
But [whan] the kyng perseyued he wolde not profite in scole, but that he
wolde dwelle in his Fadres house, with his Eldre brothere and not laboure,
he sete hym Euery day atte mete with his knaues. The childe wes ashamed,
and prayde his fadre, that he myght go a-gayne to the scole. the kyng
saide, »nay«. Then the childe wente, and prayde his Frendes, that they
wolde pray his fadre for hym, that he myght go to the scole. and so they
didden; and the kynge graunted hem here prayere, but he gafe hym not so
large expenses as he did be-fore. On a day he made the chüde to go with
hym in to a Chambre, in the which were dyuerse cofers, with money of the
kynges. The kyng toke the keyes of the cofers to the childe, and seide,
»opyn oon of thes ehestes, which that thou wilte; and that thou fyndes there
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in, thou shalte haue«, he openyd a eheste, and fownde XX ti s ; and he
saide, »for sothe thou shalte haue no more of me«. But the Fadre loked to
the Erthward, and fownde a peny, and gafe it hym, and seide», haue this
peny, and now haste thou XXti s and a peny.« The Childe toke his money,
and wente to the scole; and while he was in the way goyng, he mette a man
beryng at his back a panyere. the Child asked hym what he had in his
panyere? he seide, a wonderfull fyshe, that had a goldyn hede, and a syluer
bodie, and a grene tayle. The Childe sawe the fyshe, and asked whether he
wolde seile it? he seide »yee«. »what shall it coste?« he seide XX tJ s. then
the Child toke hym XX^s; and than lafte no more with hym but a peny.
and while the sellere tolde his money, the childe bownde the fyshe in the
panyere. that sav/e the sellere, [ande seide], »all thofe I solde the pe fyshe,
I solde the not the panyere; who so shall haue |>e panyere, shall gyve me
a peny, for it is so worthe.« The childe wiste wele he myght not bere it
with oute a vessell , and gafe hym a peny. now, as ye han herde, he hathe
paide all his money, that his Fadre toke hym to the scole. and the childe
toke the panyere with the fyshe, and bare it at his bak. he sawe a litill be-
side a fayre manere,| and mette a man, and asked, if any man dwelled there?
he saide, »yee, a grete lorde and a gentill; for there is non that dothe any
thing for hym, be it neuer so litill, but he yeldes it hym wele a-gayne.«
The childe wente to the courte, and fownde the porter, and saide he wolde
speke with the lorde. The porter asked hym, what he wolde with the lorde ?
The childe seide, he had a presente. The porter seide, »The maner is in this
courte, that I shulde se the presente or it come to the lorde«. and the child
shewed hym the gyfte. when the porter saw it, he seide, »this hede is myn;
for it is the maner, who so brynges a beste or a fyshe for a presente, I shall
haue the hede for my parte«. the childe thought, if the hede shuld be cutte
of, the presente shulde be the worse, and the more abhomynable. The childe
seide, »I pray the, suffere, and thou shalte haue hälfe my mede.« the porter
graunted. Then wente the childe, and come to the vshere of the halle, that
saide, he shulde haue the bodie of the fyshe; for is was the maner of this
courte. To whons the childe seide,« if thou wilte be Curteyse as the porter
was, to whome I graunted halfyndele my mede, and that shall.be more I
shall gyfe the the halfyndele.« and he graunted hym to Entere. Then come
the childe to the Chambreleyne, and he asked the tayle, sayeng, »it is the
custome of the courte, that I shuld haue the tayle«. To whome the childe
seide, »I graunted the porter the halfyndele of my mede, and to the vshere
hälfe that lafte ouere, and nowe I pray the, suffere me to Entere, and I shall
gyfe the parte of that comythe to me.« the Chambreleyne graunted, and lete
hym Entere, hopyng, as his felawes diddin, to haue some grete thing. The
childe come to the lorde , and gafe hym this presente, the which the lorde
hely resseyued and saide, »this is a fayre gyfte; Aske therfore some good
thing, that I may gyve the; and if thou aske wisely, I shall gyve with that
to the my doughter to wife, with my kyngdome*. Some cownseyled [cown-
seylinge Ms .] hym to aske a maner, anothere cownsayled hym to aske golde
or syluer ; and othere tresoure. This herde the childe , and seide to the
lorde, »lorde, these men cownseylen me to aske a maner, golde and syluere,
but I say you, I will aske non of all these, but if ye gyfe me any thing, me
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*4
moste gyve the porter the halfeyndele, and to the vshere hälfe that leuyth
ouer, and the Chambreleyne moste haue a parte, as the Cause is before seide.
But I pray you, lorde, that ye wolde graunte me XII. buffettes, of the which
the porter shall haue the VI. the vshere III. and the chambreleyne III». and
this was done. the lorde sawe that slely and so wisely he had asked, and
gafe his kyngdome with his doughter. This king is Criste that had II.
sonys. be the Eldre sone are vndirstondyn aungells, to which is geuyn the
kyngdome that reigneth with the fadre, with oute laboure. the yonge sone is
man, that is putte in to the worlde, that is full of wrechidnesse, as vnto a
scole, for to lyme to loue god. man is the fyshe; as the prophete witnesseth
Abacuck, facies hominis quasi pisces [pisses Ufr.] maris. the porter is the
worlde, and right as by the porter so by the worlde we may transite. the
hede of |>e fyshe is the loue that he wolde haue, for right as golde is moste
preciouse of all metalles, so is loue moste preciouse of all thing. but gyfe the
porter, that is, the worlde, VI. buffettes, that is VI. (VII Ms.) Werkes of
mercy. Be the vshere is vnderstonden the fleshe, that wil haue the body, be
|>e which are vnderstondyn delites; but gyfe hym III. buffettes, that are
wakynges, prayers, and fastynges. The chambreleyn is the deuyll, that wil
haue the grene tayle, that is, the lyfe; but gyfe hym III. buffettes, that is,
mekenesse, charite, and mercy. and so chesyng and deuydyng, the kyng, that
is, Criste, shall gyfe to the his doughter, and the kyngdome, that is, the
blisse of heuyn. to the which bryng vs Jesu Criste ! Amen &c.
Wenngleich der anfang dieser erzählung zu Sir Cleges schein-
bar keine nähere beziehung hat, so herrscht doch auch zwischen
dem ersten theil und unserer romanze eine gewisse Übereinstimmung.
Dort ist es ein königssohn, hier ein ritter, der in armuth und noth
geräth, dann aber wieder zu reichthum und ehren gelangt.
Mit dem schwank des Kalenberger hat diese erzählung gemein,
dass ein fisch das geschenk bildet; hier ist ein schüler, dort ein
Student der Überbringer. Wichtiger aber für uns ist, dass der
knabe von 3 dienern des königs, dem »porter,« dem »usher« und
dem »chambreleyne«, aufgehalten wird, ihnen die belohnung ver-
sprechen muss und für sich nichts übrig behält. Ferner erbittet
er sich ebenso wie Cleges 12 hiebe als belohnung.
Wir sehen, es ist die einzige fassung, die mit unserer romanze
in der zahl und dem amt der diener übereinstimmt, auch die ein-
zige, die die gleiche zahl von schlagen aufweist, wie die romanze.
Die vertheilung ist allerdings etwas abweichend, da der porter die
hälfte der belohnung verlangt, also 6 hiebe erhält, der usher die
hälfte des restes, also x / 4 (= 3 hiebe) und der chambreleyne den
rest, also ebenfalls J / 4 = 3 hiebe, während im Cleges jeder von
den dreien gleichmässig den dritten theil der belohnung verlangt
und demgemäss 4 hiebe erhält,
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x 5
Jedenfalls aber vertheilt in beiden fassungen der bringer des
geschenks die 12 hiebe so unter die 3 diener, dass er leer aus-
geht; für seine list erhält er dann vom könige eine reiche be-
lohnung. So kann diese erzählung sehr wohl die hauptquelle zu
unserm gedieht geliefert haben.
Ausserdem werden dem dichter wohl noch andere Versionen
bekannt gewesen sein ; so mag aus der lateinischen erzählung der
zug genommen sein, dass früchte das geschenk bildeten. Auch
eine stelle aus der mittelenglischen romanze »Sir Tristrem« kann
dem Verfasser vorgeschwebt haben. Hier ist die Situation folgende :
Rohand, der hofmeister des jungen Tristrem, durchstreift, als sein Schütz-
ling ihm durch list entführt worden ist, viele länder, um ihn wiederzufinden.
Endlich erfahrt er von pilgern, dass Tristrem sich am hofe des königs Marke
aufhält, und begiebt sich ebenfalls dorthin. Als er aber einlass begehrt, wird
er wegen seiner zerrissenen kleidung und seines ärmlichen aussehens zuerst von
dem pförtner (porter) , sodann vom thürsteher (huscher) zurückgewiesen und
muss, um einlass zu finden, erst dem einen, dann dem andern einen kostbaren
goldenen ring schenken.
Die stelle lautet (Sir Tristrem, ed. Kolbing, v. 619 — 647) :
J>e porter gan him wite
620 And seyd: »Cherl ! go oway 1 ),
Oper y schal pe smitel
What dostow here al day?«
A ring he raujt him tite
— pe porter seyd nou^t nay —
625 In hand.
He was ful wise, y say,
pat first ^aue £ift in land.
Rohand po tok he
And at pe gate in lete;
630 pe ring was fair to se,
pe £ift was wel swete.
pe huscher bad him fle:
»Cherl, oway wel sket»),
Interessant ist es dabei, dass, wie Kolbing in der anm. zu
der stelle hervorhebt, die zweite bestechung, also die des »huscher«
sich nur in der englischen version der Tristansage findet.
Kolbing weist sodann auf die ganz ähnliche Situation im Sir Cleges
hin und bemerkt dazu : »Die Situation ist unbestreitbar eine ähnliche
wie hier, besonders ist die gleichheit in der Unterscheidung zwischen
Or broken pine heued schal be 3 )
And pou feld vnder fet 635
To groundel«
Rohand bad him lete
And help him at pat stounde.
pe pouer man of mold
Tok forp anoper ring, 640
pe huscher he £af pe gold,
It semed to a king ;
Formest po in fold
He lete him in pring:
To Tristrem trewe in hold 645
He hete, he wold him bring,
And brou^t etc.
») Cleg. 296 O: He seyd: »Go, chorle, out of my syght.
2 ) Cleg. 296 E: Go bake, pu chorle, he sayd, full ty$t,
3 ) Cleg. 266: I schall breke pi hede smertly.
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— x 6 —
porter und huscher in beiden gedichten zu beachten. Während
jedoch in Sir Cleges diese Wiederholung eng mit der tendenz der
geschichte verflochten ist, erscheint sie hier als durchaus über-
flüssig. Der englische dichter wird sich bei erzählung dieses
passus an jene oder eine ähnliche geschichte erinnert und die
pluszüge aus derselben entlehnt haben.« Da die romanze von
Sir Tristrem viel älter ist, als die von Sir Cleges, so konnte dem
Verfasser des Sir Tristrem natürlich nicht dieses gedieht bekannt
sein, sondern nur eine ältere fassung derselben sage, wahrscheinlich
die erzählung, wie sie in den Gesta Romanorum vorliegt, die von
Kolbing nicht erwähnt wird. Umgekehrt hat der Verfasser des
Sir Cleges sicher wohl die stelle in Sir Tristrem gekannt, da zum
theil der Wortlaut übereinstimmt. Auch der in den York Plays sich
findende zug, dass c Judas, ehe er mit dem anerbieten des ver-
rathes vor die hohenpriester tritt, erst noch mit dem pförtner ver-
handeln muss, der ihn nicht hereinlassen will 3 ist mit Kolbing,
(Engl, stud., bd. XX, p. 439) c als eine reminiscenz aus der
romanzenlitteratur anzusehen 3 .
Uebrigens wird in derselben romanze Sir Tristrem bei einer
anderen gelegenheit auch ein haushofmeister (steward) eingeführt,
der die einem andern gebührende belohnung für sich in anspruch
nehmen will.
Tristrem, der zu schiff nach Irland gekommen ist, erschlägt einen
drachen, für dessen besiegung die hand der königstoch ter Ysonde als preis
ausgesetzt ist. Er schneidet dem drachen die zunge aus und steckt sie in die
tasche, fallt aber dann bewusstlos zu boden. Da kommt der steward des
weges, haut dem drachen den köpf ab und verlangt nun den ausgesetzten
preis, die hand Ysonde’ s. Diese aber sucht mit ihrer mutter an der stelle,
wo der drache erschlagen war, nach und findet den ohnmächtigen Tristrem.
Sie flössen ihm heilmittel ein und bringen ihn wieder zum bewusstsein. Er
zeigt die zunge des drachen, und sie erkennen die betrügerei des steward, der
nun in das gefängniss geworfen wird (Sir Tristrem vv. 1409 — 1639).
Dieses sind diejenigen mir zugänglichen fassungen der sage,
die mehr oder weniger enge Verwandtschaft mit unserer romanze
aufweisen. Ausserdem aber begegnen wir in den litteraturen noch
erzählungen, die entferntere ähnlichkeit mit unserm gedieht zeigen
oder wenigstens dinen zug mit ihm gemeinsam haben.
Den zug, dass jemand die andern gebührende belohnung für
sich in anspruch nehmen will, sahen wir in der geschichte von
dem steward in Sir Tristrem ausgeführt. Aehnliche geschichten,
in denen ein betrüger den von einem anderen errungenen sieges-
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i7
preis für sich beansprucht, sein betrug aber später entlarvt wird,
finden sich auch anderwärts, doch würde es zu weit führen, hier
näher darauf einzugehen.
Die bestrafte habsucht ist das motiv für viele und
mannigfaltige Versionen.
Die unersättliche habsucht, die sich an der theilung zur hälfte
nicht genügen lässt, zu immer weiterem theilen drängt und schliess-
lich sich selbst zum opfer fällt, sehen wir dargestellt in der orien-
talischen geschichte von Abdallah, die Chamisso zu seinem gleich-
namigen gedieht verarbeitet hat. Vielleicht steht auch in dem
märchen in 1001 nacht »Harun al Raschid und der blinde Ab-
dallah« der zug, dass Abdallah jeden almosengeber bittet, ihm
einen backenstreich zur strafe für seine habsucht zu geben, mit
der prügelstrafe in Verbindung, die der gewöhnliche lohn in den
verschiedenen fassungen unseres Stoffes ist.
Für andere erzählungen bildet der zug die grundlage, dass
eine strafe statt der belohnung gewünscht wird, da der anderen
person ein theil der belohnung nicht gegönnt wird.
Hierhin gehört die von Wright (a. a. o.) erwähnte erzählung
(s. o.), ferner ein capitel aus Gower’s Confessio Amantis (Gower’s
Conf. Amant, ed. by Henry Morley, London 1889, p. 100 f.).
Die erzählung ist betitelt »Envy.«
Jupiter sendet einen engel zur erde , um die berechtigung der klagen
der menschen zu ergründen. Dieser engel trifft zwei männer, von denen der
eine habsüchtig (coveitous), der andere neidisch (envious) ist. Er sagt ihnen
die gewährung ihrer wünsche zu, und zwar solle der eine doppelt so viel er-
halten als der andere. Der habsüchtige bittet nun sofort den neidischen, den
wünsch zu stellen, da er ja dann das zweifache des gewünschten erhalten
würde. Der neidische aber kann es nicht ertragen , dass sein geführte reicher
sein solle als er, und so wünscht er, ein äuge zu verlieren, so dass der hab-
süchtige um beide kommt.
Diese geschichte ist nach einer bemerkung des herausgebers
genommen »from the Fables of Avian.« (Vgl. The Fables of
Avianus ed. by Robinson Ellis, Oxford 1887, nr. XXII: De Cupido
et Invido). Sie wird auch erzählt in dem fabliau : Del Convoiteus
et de l'Envieus par Jean de Boves (Mtfon’s ausgabe I, 91 — 95).
Auch Benfey (Pantschatantra I, 498) erwähnt sie, der sie bei
Le Grand d’Aussy 1779, II, 235 gefunden hat.
Mehr humoristisch ist folgende fassung : Ein armer mann
bringt dem könige eine grosse rübe und wird dafür reich belohnt.
Ein reicher bringt ein grosses kalb und bekommt dafür die rübe.
Treichel. 2
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— t8 —
Durch den zug, dass der neidische infolge seines thörichten
Wunsches ein äuge verliert, gehört Gower’s erzählung schon in
das reiche gebiet der unvernünftigen wünsche, das sich bei den
verschiedenen Völkern mannigfach entwickelt hat. Ich nenne nur
folgende Versionen.
Die thorheit menschlicher wünsche wird gegeisselt in einem
altdeutschen gedieht »dri wünsche« (v. d. Hagen, Gesammtaben-
teuer nr. 37), wo ein engel von gott herabgesandt wird, um die
klagen zweier eheleute zum schweigen zu bringen. Schliesslich
schlagen die wünsche zum verderben des mannes aus. In Hebel’s
»Drei wünsche« (Schatzkästlein des rheinischen hausfreundes)
müssen sich die drei wünsche wieder aufheben; in Grimm’s
märchen »Der arme und der reiche« (Kinder- und hausmärchen
nr. 87) werden die guten und die schlechten wünsche mit ihren
Wirkungen gegenübergestellt
Die fruchtlosigkeit thörichter wünsche zeigt auch das schlüpfrige
altfranzösische gedieht: »Les quatre souhaits de St. Martin«
(Mdon’s ausg. IV, 386) und ein gedieht der Marie de France.
(Poesies de M. de Fr. par Roquefort II, 140).
Gleiche züge bieten auch Lafontaine^ fabel: »Les trois
souhaits« und Perrault’s erzählung: »Les souhaits ridicules«.
Diesen Stoff können wir durch die verschiedensten abend-
ländischen bearbeitungen bis ins Indische zurückverfolgen, wo wir
ihn in Pantschatantra, in der achten erzählung des fünften buches
vom »doppelköpfigen weber« wiederfinden.
Zu weitern bearbeitungen vgl. man : Grimm, Kinder- und haus-
märchen, bd. III, anm. zu nr. 87, V. d. Hagen, Gesammtaben-
teuer II, XXII ff., Benfey, Pantschatantra I, p. 497 ff.
Fassen wir zum Schluss kurz die züge zusammen, die der
dichter unserer romanze seinen quellen entnommen hat.
Der name des ritters, Cleges, ist dem französischen abenteuer-
roman Cliges des Chrestien de Troyes entnommen. Die person
des in armuth gerathenen und durch ein wunder wieder zu reich-
thum gelangenden ritters findet sich auch in den mittelenglischen
romanzen von Sir Launfal und Sir Amadas. Wie im Sir Cleges
kirschen zur Weihnachtszeit, so führen ebenfalls seltene früchte die
belohnung herbei in der erzählung von Nasureddin und de Janitore.
Von 3 dienern wird der Überbringer des geschenks schon in den
»Gesta Romanorum« aufgehalten. Ebendort findet sich auch der
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i9
zug, dass 12 hiebe statt der belohnung verlangt und diese unter
die 3 diener vertheilt werden.
Eigene zuthaten hat der dichter wenig gegeben. Seine er-
findung ist wohl die frömmigkeit, mit der er den ritter ausstattet,
dessen Verehrung des heilandes, die feste, die jener zu ehren des
erlösers giebt. Daraus folgt dann der weitere eigene zug, dass
gott selbst das wunder bewirkt und kirschen am weihnachtstage
wachsen lässt, die Cleges als ein geschenk des heilandes seinem
könige bringt. Auch die vertheilung der hiebe ist abweichend von
den sonstigen Versionen. In unserer romanze erhält jeder diener
gleichmässig ein drittel, d. h. 4 hiebe, während in den Gesta Rom.
der pförtner 6, der thürsteher und haushofmeister je 3 erhalten.
Ausserdem versuchte der dichter seine erzählung weiter aus-
zuschmücken. Neben der person des ritters führte er dessen frau
und kinder ein. Die beiden eitern bemüht sich der dichter durch
seine Charakteristik ins beste licht zu stellen. Ferner malt er uns
das familienleben und verweilt mit behagen beiden gesprächen
der beiden gatten, ihren gebeten u. s. w. Ebenso nimmt er am
Schlüsse des gedichtes die gelegenheit wahr, uns das leben am
hofe zu schildern und uns den könig, umgeben von seiner höf-
lingsschaar, seinen Sängern und dienern anschaulich vorzuführen.
So bemühte sich der dichter, wenigstens einige Selbständigkeit
zu zeigen.
Aber auch ein gewisses poetisches talent können wir ihm
nicht absprechen ; zeigt sich dies doch schon in der geschickten
Verknüpfung der beiden motive, aus denen unsere romanze be-
steht, und die er zu einem einheitlichen ganzen zusammen-
geschmolzen hat. Allerdings ist auf der andern seite die möglich-
keit nicht ganz von der hand zu weisen, dass der englische dichter
sich eng an eine französische fassung der sage angeschlossen hat,
die im wesentlichen schon dieselben züge enthielt, wie unser ge-
dieht. In den bisher gedruckten Sammlungen altfranzösischer
fabliaux war aber ein derartiges gedieht nicht aufzufinden.
II. Handschriftliche Überlieferung des
Sir Cleges.
a) Die beiden handschriften und Weber’ s ausgab e.
Die mittelenglische romanze von Sir Cleges ist uns in zwei
hss. überliefert:
2*
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20
i) E # Die papierhandschrift 19. 1. 12. der Advocates’
Library zu Edinburgh, nach Weber c apparently of the beginning
of the fifteenth Century 5 , in Wirklichkeit aber dem ende des 15. jhs.
angehörend, enthält ausser Maundeville’s Travels und Occleves
De regimine principum auf neun nicht numerierten blättern eine
abschrift des Sir Cleges, die 531 verse umfasst. Leider ist aus
dieser hs. ein blatt, auf dem der Schluss des Sir Cleges stand,
verloren gegangen, und auch im innern des gedichts finden sich
einige kleinere, in der hs. allerdings nicht kenntlich gemachte
lücken (s. u.). Henry Weber, der secretär Walter Scott’s, hat
nicht nur, wie oben schon bemerkt, nach dieser hs., die er für
die einzige des gedichtes hielt ( c the only copy of Sir Cleges
extant 5 p. XLI), die romanze von Sir Cleges in bd. I seiner
Metrical Romances veröffentlicht, sondern auch den fehlenden
Schluss selbst hinzugedichtet , ähnlich wie dies Walter Scott für
die von ihm herausgegebene romanze von Sir Tristrem gethan
hatte.
Weber’s textabdruck der hs. E zeigt folgende, allerdings meist
geringfügige Ungenauigkeiten resp. änderungen. (Die richtige lesart
ist die in klammern beigefügte):
v. 5 A[r]thyr (statt Athyr) ; 8 dedes (dedis) ; 9 ryght (right); 15 gentyll
(jentyll) ; 17 weren (wern) ; 25 gentyll (jentyll); 26 neuer (non); 31 almes
(almus) ; 33 cherissched (cherisschid) ; 34 had (hade) ; 35 Reche (Rech) ; 44
Schulde (Schuld), dought (dou^tt) ; 46 Mynstrellis (Mynsstrellis) ; 49 Mynstrellys
(Mynsstrellys) ; 51. 52 reche (rech); 52 ryng (rynges) ; 53 thyng (thynges);
60 gentyll (jentyll); 66 allmyghtt (allmy3t) ; 72 Yn (In); 74 were (wern); 79
weren (wern) ; 86 kyng (kynge) ; 88 drewe (drowe) ; 89 svounyng (svounnyng) ;
94 Meche (Mech) ; 95 weped (wepyd) ; 99 mynstrelsee (mynstrelses) ; 100 trompes
(trompus), pypes (pypus), claraneris (claraneres) ; 101 luttis (lüttes); 104 hard
(harde); 107 meche (mech); 116 nor (ner) ; 118 reche (rech), metis (metes) ;
133 Crystis (Crystes); 142 held (hold); 150 sorowe (sorewe) ; 152 teris
(teres); 157 had (hade); 160 her (hyr) ; 165 end (and); 176 payne (peyne) ;
177 everlastyng (euerlastyng) ; 190 his (hys); 191 disese (dysese), pouertt
(povertt); 195 his (hys); 207 fer (for) ; 208 taste (caste) ; 226 have (haue);
les or more (more or les) ; 228 trewely (trewly) ; 235 seche ( sech ) ; 238 gravnted
(gravntyd); 242 had (hade); 244 vp (vpp) ; 245 forthe (forth) ; 248 had (hade);
252 in (i); 255 Oppon (Vppon) ; 258 sothe (soth), say (saye) ; 266 high (hig^t) ;
271 God (Good); 272 thou (you); 273 Now(Nowe); 274 kyng (kynge) ; 291
Without (Wythout); 296 tyghte (ty^t) ; 304 have (haue); 307 it (yt) ; 315
sekyrly (sekerly) ; 327 were (wern) ; 332 olde (old) ; 339 smartly (smertly) ;
343 kyng (kynge) ; 344 myne (myn) ; 346 part (partt) ; 350 betwyxt (bethwyxt) ;
355 — (f>ou); 365 schall (schyll); 366 or (ar) ; 372 before (beforn) ; 381 is
(ys); 382 commaundyd (commaunndyd) ; 396 wyll (will); 401 anon (anoon);
403 kyng (kynge); 41 1 hast (haste) ; 426 meche (mech); 431 adverseryse (aduer-
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21
seryse) ; 446 Among (Amonge) ; 467 Thou (Thowe) ; 468 behyght (behight) ;
471 there [too] (there); 474 nether (ner) ; 476 bone (bon) ; 479 has (haste) ; 480
couenaunte (couenaunnte) ; 494 yours (youres) ; 497 cuntre (cunntre) ; 499 myne
(myn); 503 had (hade) ; 514 have (haue); 517 yenge (yonge) ; 518 weren
(wem); 520 nott myght (my^t nott) ; 521 this (thys) ; 522 wowe (wove) ;
526 lok (lokes); 530 is (ys) ; 531 now (nowe), rygh[t] (rygh); 532 hight
(hig5t); 537 on (in); 539 had (hade); 543 his (hys).
Weber selbst führt nur folgende änderungen der hs. an
(i. 381):
Various Readings and Mistakes in the MS. corrected in the Text:
v. 220 more or les ; 519 myght not; 521 wove; 526 and 527 are written
in one line in the MS. ; 533 — 540 have been added by the editor.
2) O. Die gleichfalls dem ende des 15. jahrhunderts an-
gehörende papierhandschrift Ashmole 61 in der Bodleian Library
zu Oxford enthält neben zahlreichen anderen romanzen und geist-
lichen gedichten des 14 und 15. jhs. auf fol. 67 b — 73 a die
romanze von Sir Cleges, die dort 570 verse zählt. Der in E
fehlende Schluss (32 verse) ist hier vorhanden; ebenso sind die
übrigen lücken von E ausgefüllt; doch fehlen an zwei anderen
stellen je drei verse, die in E mitgetheilt sind. Diese hs. des
Sir Cleges ist bisher noch nicht gedruckt; nur hat prof. Zupitza,
der eine abschrift davon besass, in seinen anmerkungen zu Athelston
(Engl. stud. XIII, p. 343 ff.) einzelne verse daraus angeführt. Ich
benutze eine von prof. Kaluza angefertigte , von prof. Bülbring
nochmals mit dem original verglichene abschrift.
b) Gegenseitiges verhältniss der beiden hand-
Schriften.
Wie die meisten mss. der mittelenglischen romanzen, so weichen
auch unsere beiden hss. bedeutend von einander ab 1 ). Die ab'
weichungen ergeben sich schon aus der verschiedenen zahl der
verse: E hat 531, O 570 verse. Von diesen sind es nur 180,
also ca. x / 3, die in beiden hss. völlig gleichlauten; von den übrigen
differiren 108 in einem wort, so dass also fast die hälfte der
verse in mehreren Worten oder ganz von einander verschieden sind.
Sehen wir nun, welche näheren beziehungen sich zwischen
den beiden hss. hersteilen lassen.
*) Ich verweise in bezug hierauf auf die ausführungen von Kaluza, welcher
(Lib. Desc. p. XVII) gezeigt hat, wie wir uns diese grossen differenzen der
hss. erklären können, ohne dass wir zu der annahme mündlicher Überlieferung
unsere Zuflucht zu nehmen brauchen.
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22
Als feststehendes metrum unseres gedichts nehme ich die zwölfzeilige
schweifreimstrophe an. Sind auch in E vier Strophen nur neunzeilig, so haben
die entsprechenden in O doch 1 2 verse, und umgekehrt sind die zwei neunzeiligen
Strophen in O wiederum zwölfzeilig in E. Die zwölfzeilige Strophe ist also
beabsichtigt und war sicherlich vom dichter auch streng durchgeführt. Ausser-
dem haben ja Kolbing (Engl. stud. XI, p. 496) und Kaluza (Engl. stud. XII,
p. 432; Lib. Desc. p. XIX) zur genüge gezeigt, dass die dichter so starke
abweichungen von der einmal gewählten strophenform, wie sie in den hss.
Vorkommen, nämlich sechs- und neunzeilige Strophen , sich nicht gestattet
haben.
In E fehlen zunächst die vv. 166 — 168, das letzte viertel der Strophe XIV,
das der Schreiber übersprungen haben kann. Für diese lücke findet sich ein
ersatz in O, der echt zu sein scheint.
Eine zweite lücke in E ist von vv. 223 — 225, das dritte viertel der XIX.
Strophe. O hat auch hier die richtige lesart. Vielleicht ist die lücke in E
durch das zweimalige reimwort tokenyng entstanden.
Ferner fehlen in E vv. 367 — 369 , das dritte viertel der Strophe XXXI.
Der Schreiber hat die vv. 367 — 369, durch dasselbe reimwort more veranlasst,
übersprungen. O hat wiederum den ursprünglichen text bewahrt.
In Strophe XXXV fehlt dann in E das letzte viertel , vv. 418 — 420.
O hat diese lücke ausgefüllt, jedoch mit denselben reimworten wie vv. 420 u.
425. Indessen ist die Wiederholung hier nicht ohne berechtigung. Der könig
fragt nach den wünschen des ritters, ob er ihm land, leute oder anderes gut
geben solle. Land, leute und anderes gut weist aber sir Cleges als ein zu
grossmüthiges anerbieten zurück.
In Strophe XLIV fehlt ein vers, v. 527. O hat die richtige lesart.
Endlich fehlen am Schluss des gedichtes, nicht durch nachlässigkeit des
Schreibers, sondern infolge eines defectes der hs., 5 verse von Strophe XL VI
und die beiden letzten Strophen XLVII und XLVIII, vv. 545 — 576. In O
sind auch diese verse vorhanden.
Andererseits haben wir in O zwei lücken zu verzeichnen. Es fehlen zu-
nächst vv. 40 — 42, das zweite viertel der Strophe IV. Die lücke ist in E aus-
gefüllt; die verse sind allerdings formelhaft und inhaltlich unbedeutend, scheinen
aber doch echt zu sein.
Eine zweite lücke von O, vv. 130 — 132, das letzte viertel von Strophe XI,
ist ebenfalls in E ausgefüllt, und auch hier hat E wohl die ursprüngliche
lesart.
Hieraus lässt sich wohl schon schliessen :
1) dass E nicht die directe quelle von O ist, da sich in E mehrere
lücken vorfinden, die in O ausgefüllt sind, und zwar so,
dass O meistens die echte lesart bietet;
2) dass auch O nicht die directe quelle von E sein kann, da
auch O zwei lücken aufweist , während in E die ent-
sprechenden Strophen vollständig sind.
Von sonstigen stärkeren abweichungen der beiden hss. verdient nament-
lich der abschnitt v. 484 ff. erwähnung.
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23
Nachdem Cleges die als belohnung gewünschten zwölf hiebe unter die
drei diener, den pförtner, den thürsteher und den haushofmeister, vertheilt hat,
kehrt er in die halle zurück, wo der könig inzwischen dem harfenspiel und
gesang eines minstrels gelauscht hatte. Nach der darstellung von E hatte
der sänger ein lied von einem tapferen ritter vorgetragen, und zwar von Cleges
selbst ( Hym selffe werament. E v. 486). Der könig, der hierdurch an seinen
getreuen ritter Cleges erinnert wird, fragt den minstrel, ob er, der ja weit in
der weit gewandert sei , den Cleges kenne, und ob er wisse, wo jener sich
gegenwärtig befinde. Der minstrel erwidert: »Ja, ich kannte ihn früher; es
war einer von euren rittern. Jetzt hat er das land verlassen; wir minstrels
vermissen ihn gar sehr.« Der könig antwortet: »Wahrhaftig, ich glaube, dass
Sir Cleges tot ist, den ich so sehr liebte. Wollte gott , er wäre noch am
leben; ich würde ihn lieber haben, als manchen andern, denn er war tüchtig
im kämpfe.« Hierdurch ist die folgende Situation, in der sich Cleges dem
könig zu erkennen gibt, vorbereitet worden ; es schliesst sich alles ungezwungen
an einander an. Der sänger preist die kühnen thaten des Cleges; der könig
wird dadurch an seine abwesenheit erinnert und spricht den wünsch aus, ihn
wieder bei sich zu haben. Als nun der Überbringer der kirschen sich als
Cleges zu erkennen gibt, da ist es selbstverständlich, dass der könig ihn reich
belohnt.
In O ist über den inhalt des liedes, welches der minstrel dem könige
vorträgt, nichts näheres mitgetheilt; es wird also wohl kaum die thaten des
Sir Cleges zum gegenstände gehabt haben. Der könig fragt nun dort den
minstrel , ob er den armen mann kenne , der ihm die kirschen gebracht habe.
Der minstrel antwortet: »Ja, gewiss, er heisst Cleges und war früher einer
von euren rittern.« Der könig aber erwidert: »Das ist er nicht; Cleges, den
ich sehr liebte, ist längst todt. Wollte gott, er wäre noch am leben 1« Als
dann der könig den Überbringer des geschenks nach seinem namen fragt, ant-
wortet er: »Mein herr, dieser mann hat es euch ja eben gesagt; ich bin
Cleges, euer ritter u. s. w.« Diese darstellung in O scheint mir weniger gut
motivirt zu sein. Es ist auffallend, dass hier der könig den minstrel nach
dem namen des Überbringers des geschenks fragt, anstatt den dastehenden
Cleges selbst zu fragen , wie er es später thut. Es ist ferner auffallend, dass
der könig dem minstrel, der mit bestimm theit in dem armen manne den ritter
Cleges erkennt, nicht glauben schenken will und sich auch nicht durch eine
sofortige anfrage bei dem Überbringer des geschenkes von der richtigkeit oder
Unrichtigkeit der aussage des minstrels überzeugt, wie auch dass Cleges selbst,
der der Unterredung zwischen dem könige und dem minstrel beiwohnt, diese
günstige gelegenheit nicht benützt, um sich dem könige sofort zu erkennen zu
geben.
Darum glaube ich, dass E an dieser stelle die bessere und ursprüng-
lichere darstellung uns überliefert hat, und dafür, dass E, von den lücken ab-
gesehen, im allgemeinen den urtext des gedichtes besser bewahrt hat, als O,
sprechen auch noch einige andere anzeichen , so besonders diejenigen stellen,
an denen die beiden hss. in den reimworten abweichen. Unter den 525 versen
nämlich , die in beiden hss. gleichmässig überliefert sind , stimmen nur 432 in
den reimwörtern genau überein , in den übrigen 93 versen haben O und E
verschiedene reimwörter, von denen natürlich nur das eine ursprünglich sein
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kann, ln vielen fallen ist es allerdings schwer, mit Sicherheit das eine der
beiden für echt, das andere für eine spätere änderung zu erklären; wo dies
aber möglich ist, scheint doch wiederum E die ursprüngliche lesart besser be-
wahrt zu haben, als O.
Trotzdem aber ist auch die hs. E nicht frei von fehlem und namentlich
bei den geringfügigen abweichungen der beiden hss. im innem der verse (z. b.
v. 2: eldyrs E; ansytores O; v. 4: In the tyme E; In tyme O; v. 6: in sigt
E ; of sygkt O; v. 7 : pat hight E; hy%t O; v. 8: of dedis E; at nedys O;
v. IO: a man E; man O; v. II: full fayr of feturc E ; feyreofall fetourO;
v. 12: And also of gret my%t E; A man of mekyll my%ht O; v. 13: A cortey-
sear kny$t E; Mour curlas kny$kt O; v. 14: in all the lond E; in all pis
werld O; v. 18: He yaue both gold and fee E; he gaff pem gold and fe O;
v. 21 : Meke of maners was hee E; Meke as meyd was he O; v. 22: frc E;
redy O; v. 26: Ther mi$t non better bere life E; A better my%kt non be of ly fe
O etc.) ist es ganz unmöglich, mit Sicherheit die eine oder die andere lesart
für besser und ursprünglicher zu erklären.
Nach alledem erschien es am besten, beide hss. in parallel-
druck zu bieten, E als die relativ bessere voran, O daneben zur
ergänzung der vielen Kicken von E.
Von der lesart der hs. bin ich nur an wenigen stellen, wo
offenbare Schreibfehler Vorlagen, abgewichen; die ursprüngliche
lesart ist in diesem falle unter dem text vermerkt. Auch die
Orthographie der beiden hss. ist unverändert beibehalten ; nur sind
die abkürz ungen in cursivdruck aufgelöst und der gebrauch der
grossen anfangsbuchstaben geregelt worden.
III. Metrik.
a) Strophe.
Die mittelenglische romanze von Sir Cleges ist in der zwölf-
zeiligen schweifreimstrophe abgefasst. Die in der hs. E lückenhaft
überlieferten Strophen XIV, XIX, XXXI, XXXV finden sich voll-
ständig in O. Andererseits sind die in der hs. O. fehlenden
viertel der Strophen IV und XI in hs. E enthalten (s. o. S. 43 ff.).
Das reimschema ist: aab ccb ddb eeb; unser gedieht gehört also nach
Kolbing s eintheilung (Am. u. Amil. p. XIV) zu der dritten classe.
Freilich finden sich auch einige, allerdings wohl mehr zufällige, nicht
vom dichter beabsichtigte abweichungen von dieser reimordnung. So haben
in hs. E die Strophen XVII und XXXIII das Schema aab ccb ddb aab; das
vierte reimpaar hat also denselben reim wie das erste; ferner Strophe XX: aab
ccb aab ddb, wo das dritte reimpaar denselben reim aufweist wie das erste, und
Strophe XLV : aab ccb ddb ddb , wo die beiden letzten reimpaare überein-
stimmen.
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25
In O hat Strophe XVI das Schema: aab aab ccb ddb, also das einzige
beispiel von der strengeren reimordnung der zweiten classe, während für £
die bemerkung Kolbings (Am. u. Amil. p. XX), dass Sir Cleges nirgends die
reimgleichheit biete, zutrifft. Dreimal kehrt derselbe reim in den reimpaaren
wieder in Strophe XLVII: aab, aab, aab, ccb, die in E fehlt.
Bei den übrigen Strophen ist die abweichung in ähnlicher weise wie in E er-
folgt und zwar häufig dadurch entstanden, dass das gleiche wort zweimal im
reime gebraucht ist.
So hat Strophe XVII: aab ccb ccb aab; XIX: aab ccb ccb ddb; XLI:
aab ccb aab ddb; XXXIII: aab ccb ddb aab (genau wie Strophe XXXIII in
E) ; XLV, XL VIII : aab ccb ddb ddb (strophe XLV auch in E, wogegen
XLVIII in E schon fehlt).
Enjambement zwischen zwei Strophen ist in unserm gedieht selten.
In beiden hss. greift die directe rede zweimal in die nächste Strophe über, und
zwar bei Strophe XI/XII, XVII/XVIII und XXII/XXIII. Ein sehr schwaches
enjambement ist bei strophe VIII/IX anzumerken, wo Strophe IX mit And und
demselben subject he sich anschliesst.
An einer stelle zeigt dann noch E allein hinübergreifen der directen rede
in die nächste strophe, und zwar bei strophe XLI/XLII:
The harper seyd: »Yee iwysse:
(strophe XLI): Sum time for soth I hym knewe etc.
Concatenatio d. h. Wiederholung der Schlussworte der einen strophe
im ersten verse der folgenden liegt vor in O, strophe XVII/XVIII, v. 204/5 :
That grow pis tyme of jere.
(strophe XVIII): I haue not se pis tyme of %ere etc.
b) Reim.
Assonanzen sind:
O 7 f. Clegys : nedys\ E Cleges : dedis] O 139 f. belyue : blythe\ dafür E
swyth : blytk ; O 1 5 1 f. blyth : blyue ; dafür E blyth : swyth ; O 181 f. com : ouergon ;
E 181 f. cam : than ; O 532 f. tellys : Cleges ; dafür E blysse : Iwysse ; O 543 ff.
with : grythe : frythe : myrthe ; O 550 f. blythe : wyfe ; O u. E 364 f. reward : pari]
O u. E 5 1 1 f inward : partt, O und E 382 f. mete : speke.
Unreiner reim findet sich:
E 55 f. Heide : myld\ dafür O held : weld\ O 85 f. eve : wyfe] dafür E
evyn : evyn\ O u. E 315 sekerly : me : be : he\ O 406 f . feile : wylle] E styll : will]
E 423 sekyrly : me : me : charyte dafür O 423 be : me : me : charyte ; O 435 rnade :
hade : deleyd : payd ; dafür E made : hade : glade : sade\ O 507 ff. curtasly : why :
me : trewly ; E 507 ff. cortesly : thre : me : trewly .
Andere, scheinbar unreine reime fallen nicht dem dichter, sondern dem
Schreiber zur last. Es ergeben sich ohne weiteres correcte reime, wenn wir an
stelle der in der hs. stehenden Wörter diejenige dialektform einsetzen, die offen-
bar vom dichter gebraucht wurde, oder wenn wir ein von dem einen Schreiber
eingefügtes falsches reimwort mit dem in der andern hs. stehenden richtigen
vertauschen.
Hierher gehören:
O u. E 94 f. per (lies: /are) : sore ( 1 . sare); O u. E 106 f. sore ( 1 . sare):
per ( 1 . /are); O 148 care : mour ( 1 . mare); dafür E sore : more; O u. E 147 ff.
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26
chere : stere : lyre (1. lere) : chere; O u. E. 183 ff. stynt (1. stent) : wente : vera-
ment : sente; O 235 f. /er (1. /are) : fare; dafür E ther : yer; O u. E 279 ff.
behold : schuld (1. schold) : mold : gold; O 310 f. smertly : sey (1. sy) ; dafür E
smartly : verily ; O u. E 349 f. than (1. then) : men ; O 439 warryng (1. warraunt):
graunte ; dafür E awaunt : graunte; O u. E. 447 ff. mour (1. mare) : sore (1. sare) :
were (1. wäre) : mour (1. mare); O u. E 459 ff. lette : mette : grete : hy$ht
(1. bete); O 517 f. senge (1. sing) : kyng; E yonge (1. ying) : kynge.
In E allein:
64 f. yere : squire (1. squiere) dafür O: yere : comener; 1 1 1 ff. sond : bond:
lond : lend (O wonde); 127 f. nowst : hart (dafür O thought); 17 1 ff. wiffe : stryffe :
lyf : penci (1. pencif) ; O dafür: ryfe; 190 f. hartt (O hertt) : povertt; 199 f.
hand (O hond) : fonde; 337 f. sone : pyne (1. pyne[anon]); O dafür sone : anon;
339 ff. myjt (O mou^ht) : wrowst : bowjt : nott (1. nousht; O liest hier falsch:
oute); 486 f. harpor (O herpere) : herre (O here); 483 ft. went : werament :
i-went : iwysse (falsches reim wort; O dafür presente) ; 520 f. nott (O nott sytte) :
wyjt (O wytte).
Gleicher reim innerhalb eines reimpaares kommt dreimal in O vor,
und zwar:
O v. 52 f. thynges; E dafür ringes : thinges; O v. 142 f. trewly; E dafür
trewly : redy; O v. 325 f. hall; E dafür all : hall.
Oefters jedoch treffen wir gleichen reim in den schweifreimzeilen, so in:
O v. 75:81 : one; E dafür one : none; O v. 147: v. 156 chere; E dafür
chere : in fere; O v. 291 :v. 297: lettyng; E dafür lettyng : teiyyng; O v. 366:
v. 369: more; O u. E. v. 426: v. 429: me.
In E allein:
v. 399: v. 405: beforn; O dafür beforne : lorn.
Dasselbe wort kommt zweimal im reime vor in O Strophe XVII:
196 f. hond : upstond u. 199 f. hond : ford.
Ferner in O und E Strophe 45:
535 f. me : fre und 538 f. the : me.
In der O allein angehörigen Strophe 47 ist dieser fall sogar zweimal zu
verzeichnen:
553 squyere : were : 559 f. maner : squyere ; 556 f. maner : eiere : 559
maner : squyere.
Reicher reim findet sich auch einige male. Ich folge hier Kolbings
(Sir Tristrem, p. XXXIII) , Münsters (Untersuchungen zu Thom. Chester’ s
Launfal, p. 7) und Kaluza’s (Lib. Desc. p. XLV) eintheilung.
a) Die reimwörter haben bei verschiedener bedeutung völlig
gleiche form:
E v. 75 but on (num.) : 78 there on (adv.); v. 85 evyn (sb.) : 86 evyn
(adv.); v. 525 lowe (adj.) : lowe (sb.); O v. 75 but one (num.): 78 /er one (adv.) ;
v. 499 dede (sb.) v. $00 dede (adj.).
b) Ein einfaches wort reimt mit einem zusammengesetzten oder
mit einem längeren:
O v. 103 dansyng : v. 104 syng; O u. E. v. 343 kyng : v. 344 askyng;
O v. 477 also : v. 480 so; O u. E v. 505 kyng : v. 506 askyng.
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c) Die reimwörter haben vor der völlig gleichen reimsilbe ver-
schiedene silben:
O u. E v. io statour : v. u fetour; O u. E v. 105 treuly : v. 108
pytewysly ; O v. 220 tokenyng : v. 221 plenyng; O 244 gladly : v. 245 esyly
und ebenso E 244 goodly : v. 245 esyly ; O 262 spytously : v. 263 smertly
und E 262 hastily : v. 263 smertly; E 310 smartly : v. 31 1 verily; O 316
wernyng : v. 317 wyneng; O u. E 523 stewerd : v. 524 reward; O 547 stewerd :
v. 548 afterwerd; O 561 entenle : v. 564 content.
Leonin isch ist der reim:
O 100 nakemers : v. 101 gytherners.
Auch erweiterte reime (Schipper, Engl. metr. I, p. 303) finden sich :
O u. E v. 15 and fre : v. 18 and fe; O u. E. v. 382 to mete : v. 384
to speke; O u. E v. 466 my thryfte : v. 467 my gyfte, desgl. v. 478 : v. 479;
O v. 469 he $are : v. 470 he thare; O v. 562 they hyght : v. 463 they myght.
c) Allitteration.
Die alitterirenden bindungen gebe ich nach dem von Regel
(Germ. stud. I p. 17 1 ff.) aufgestellten und von Kolbing (Ipom.
p. CXVIII ff.) erweiterten Schema. Bei denjenigen allitterations-
formeln, die nur in einer hs. Vorkommen, ist der verszahl ein
E resp. O vorgesetzt.
IA. Wiederholung eines bedeutenderen Wortes in derselben
oder einer anderen form.
a) Innerhalb zweier verse:
v. 51 f. rych; O v. 58 began : v. 59 gan; E v. 64 f. many a; O v. 81 f.
per left; O v. 182 f. his sorow; O v. 204 f. this tyme of £ere; O v. 224 — 26
mour; O v. 503 knyghtes : v. 504 knyght; O v. 532 man ; v. 533 men;
O v. 534 f. knyght; O v. 558 f. She thankyd god;
b) innerhalb desselben verses:
E 149 tnore and more\ O 226 have we les our have we mour; v. 271
Gode sir, seyd sir Cleges tho ; v. 301 Gode sir, seyd sir Cleges than ; v. 536
That was so gentyll and so free.
I B. Allitterirende bindungen, in denen ein oder mehrere
eigennamen Vorkommen.
a) Personennamen:
E 56 In the worschepe of A/ari wyld ; E 179 And thanked ^od with
go& entent ; O 295 In *om sir Cleges so wyght ; 373 Syr Cleges vmoueryd pe
pannyer; 382 He ^omandyd sir Cleges to mete; O 403 He brought Cleges
befor the £yng; O 494 Somtyme men rallyd hym Cleges; 505 Syr Cleges
£nelyd before the kyng\ O 533 Som tyme men ralled me sir Cleges; O 557
Dame C/arys pat lady ch re.
b) Ortsnamen:
v. 233 2 £e shall to Cardyff to the £yng; 544 The rastell of Cardyff also
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II A. Wörter desselben Stammes werden durch ailit teration
gebunden:
169 Syr Cleges knelyd on hys kne ; 193 As he knelyd onne hys kne ;
O 372 knelyng onne his kne hym before ; E 404 On knese he feil knelinge.
II B. Stabreimende bindung solcher Worte, welche in begriff-
lichem verhältniss zu einander stehen.
a) Bindung concreter begriffe, welche innerhalb derselben
lebensgebiete vorzukommen pflegen:
v. 22 Hys me te was redy to euery ///an; v. 102 Off rytall and of
rautrey; v. 277 The /ourter to the /annyer wente; E 285 As I am ///an of
///old; O 553 The kyng made his Jon jquyere.
b) Bindung abstracter begriffe, welche in gemeinsamen lebens-
sphären zu einander in beziehung zu stehen pflegen.
v. 95 u. 106: He wrong hys hondes and we pyd sore; 154 Than pei wesch.
and we nt to mete.
c) Bindung abstracter begriffe mit concreten.
O 12 a ///an of ///ekyll ///y£ht; O 21 me ke as ///<?yd was he; 52 Hors
and robys and rych thynges; 79 Hys ///en that wer so ///ych of pride;
294 With a j/aff r/andyng; O 359 And bete pi ragges to pi />ake; 451 He
gafe the r/eward sych a r/roke.
d) Bindung gleichlaufender worte, welche die innere begriff-
liche ähnlichkeit mit einander verknüpft.
O 20 No man he wold £uske ne 3 ete; E 165 As yt was reson and
ry^t; O 418 Weper it be /ond or /ede; 424 Forto graunte me /ond our
/ede; O 510 JFherfor it was and why.
C. Allitterirende bindung von grammatisch zu einander in
beziehuög stehenden Worten.
a) Substantiv und adjectiv (resp. particip) in attributiver oder
prädicativer Verbindung.
O 12 A man of ///ekyll «zy£ht; E 19 The /ore /epull; O 21 Me ke as
///eyd was he; E 32 The /ore /epull; E 47 «/ost ///yrthis; E 56 Maxy ///ild;
79 Hys me n pat wer so ///ych of pride; 84 Than ///ade he «/ekyll «/one;
107 /T/ekyll ///one he ///ade ther; O 136 Now every «/an schuld be «/ery;
177 In to euer /astyng ^ffe; 246 After pi /ad£r so /re; 282 Grete ^yftes;
353 Bot if it be a me lys mete ; 397 When all men wer me rye and glad;
O 408 He seyd, lege /ord, what is $our wille; 363 with ry^hyng rore;
b) Zeitwort oder adjectiv binden sich mit dem adverbium oder
substantiv, welche ihre adverbiale bestimmung enthalten.
6 A jembly man of jyght ; E 8 A */owtyar was non of */edis ; E 11 /iill
/ayr of /eture; O 11 fe yre of all /etour; O 14 In all this werld was per non;
E 21 Me ke of «zaners was hee; O 27 Ne non jemblyere in ryght; 50 Schuld
not withoutyn ^yftes ^on; 89 Syr Cleges feil in jvounyng rone; 98 .Sore ry^eng,
he herd a sowne; 104 In every ryde herd he ryng; 169 Syr Cleges kne lyd on
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2 9
his kne\ 193 As he £*elyd onne his k>te\ O 234 Aull /eyre; O 245 And bere
it at thy bake; 256 To the rastell $ate pei mm; 280 Wele he wyst; 294 With
a st aff j/andyng; E 307 in my ^ardeyne it ^rewe; 312 He weruyllyd in his
wode; 343 Thow shall mm no nere pe kyng\ O 354 Jore jyjeng; O 359 And
bete pi ragges to pi £ake; O 371 Aul /eyre; E 372 ^nelinge the £ynge beforn;
O 372 £«elyng onne hys kne] E 403 he ram befor the £ynge; 465 So^rymly
he hym ^rete; O 488 A/ykyll pou way ofte time here; O 490 7 ell me /rew;
O 497 Aull of /ortone; E 504 j/ronge in j/owt; O 504 j/yff in j/oure.
c) Substantiv und Zeitwort sind im verhältniss von subject und
prädicat mit einander verbunden.
E 26 Ther mi^t non fetter bere life; O 26 A Mter my^ht non be of
lyfe; 58 his £od be^an to slake; 203 What waner beryes way this be;
232 When pe </ay do spring; O 295 In mm sir Cleges; O 325 The sie werd
j/ert fast; O 337 The j/ewerd s/ert forth; 373 Syr Cleges unmueryd pe
pannyere ; O 484 An //arper ^ad a geyst i-seyd ; E 496 We wynstrellys wysse
hym; 517 The /ordes /ewje; O 571 His /ady and he /yved.
d) Zeitwort und substantiv treten als prädicat und object in
allitterirende bindung.
v. 18 He ^aff pem ^old and fe; E 31 Almus ^ret sehe wold £eve;
47 J/yrthys wher J>ei m ay fynd; 54 To wend with per wode; 84 Than wade
he wekyll wone; 94 A/ekyll sorrow wade he per; 107 A/ekyll won he wade
per; 112 The wyrth that I was wonte to wake; 114 l /ede both /re and
bond; 116 They wantyd noper wylde ne tarne; O 140 And wake us both
wery and blytbe; O 143 I have wade owre wete; O 155 With sych god as
pei my^ht ^ete; 156 And wade wery chere; 158 pei drofe pe de y away;
248 He ha.d no bors; 254 The ryght wey to Cardyffe wen t; O 285 Be hym
that wade pis wold; 300 And pou wake wour pressyng; 302 For his love
pat wade wan; 310 fyfte up pe /vde; O 327 That we ryd ryche ?t/ede; E 338
He /ullyd out the /yne; O 371 he /roferd hys /resente; O 436 that wade
we and the ; 464 u. 473 He wold wern no man pe wey ; 476 He /rake a two
hys Schulder /*one; E 490 7 ell me /rewth; O 533 ralled me sir Cleges;
O 550 A cowpe of £old he ga.\e hym.
Da) Schwurformeln oder sonstige füllphrasen werden mit
anderen Worten des verses gebunden:
E 42 For joth as I you jaye; O 56 In worshype of him, that all 7oeld ;
416 I wyll pe ^raunte, so ^od me save; O 419 Or other ^ode so £od me
spede; 425 Or any ^ode, so ^od me spede.
b) Ein vocativ reimt mit einem andern wort des verses:
O 1 Zystyns, /ordynges; O 334 u. 455 He jeyd, jir; 355 Zferlot, /*as
thou; O 493 my /ege, withouten /es; 530 Teil we, gode wan;
c) Das verbum »sagen« als reimwort wird sehr häufig gebraucht.
Vgl. oben D b ; ferner in :
E 42 For joth as I you Jaye ; 67. 157 u. 258 pe Joth to se y; O 243
To hyr eldest Jon jeyd she ; 248 jo Jeyth the boke; O 296 He jeyd: Go,
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chorle, out of myjyght; 313 The ussher jeyd : Be Mary jwete; 363 And jeyd
with jy^hyng sore; 376 He jeyd Jhesu our Javyoure ; O 380 And jeyd I.thanke
pe Juete Jhesu.
d) Versrhythmus.
Bei Betrachtung des versrhythmus müssen wir uns auf die-
jenigen verse beschränken , die in beiden hss. völlig gleichlauten
(wie z. b. vv. 3. 9. 10. 15. 17. 23. etc.), weil diese allein die
ursprüngliche lesart des gedichtes unverfälscht darbieten ; höchstens
können noch diejenigen verse berücksichtigt werden , bei denen
die abweichungen der beiden hss. von einander metrisch belang-
los sind, wie z. b. v. 6. : A semely man (of) si^t\ v. 87 : He (They)
dwellid by Cardyfp syde. Ferner müssen wir an stelle der ganz
willkürlichen Orthographie der Schreiber der hss. hier wie in dem
folgenden, über den dialekt des Sir Cleges handelnden abschnitte,
den wirklichen lautbestand des gedichtes wiederzugeben suchen
und insbesondere die zahlreichen, von den Schreibern beigefügten
stummen e am ende der Wörter, da, wo sie etymologisch nicht
berechtigt sind, streichen.
Wie in der m ehrzahl der in der schweifreimstrophe abgefassten romanzen
(vgl. Kaluza, Lib. Desc. p. LVI ff.) haben auch in Sir Cleges die verse in den
reimpaaren je vier hebungen, die schweifreimzeilen je drei, vgl. z. b. v. 193 ff.
As he knilid on his knie
Vhderneth a chery-tree ,
Mäking his preyere,
oder v. 286 ff. :
The third pari but thou gräunte me
Of thät the king wil give thee
Whether it be silver or gold.
Wie aus diesen beispielen schon zu ersehen ist, kann ein auftakt nach
belieben stehen oder fehlen. Wo er gesetzt wird, ist er fast stets einsilbig,
und besteht aus sprachlich schwach betonten Wörtern , wie z. b. The 286 ; Of
287; He 10, 15, 24; That 23; Ther 45; To 54; Sir 89; And 94; In 105
u. s. w. Zweisilbiger auftakt ist bloss dann gestattet, wenn die zwei silben
»verschleift« werden können, so dass sie metrisch nur für eine silbe gelten,
wie z. b. Whether it 288; Ellis 265; The nscher 310.
Dass das end-* in der spräche unseres dichters bereits verstummt war,
lehren nicht bloss reime wie saye (In f .) : away 67; ageyn : peyne 175; holde (inf.)
: sold (part.) 91 ; sone : anoon 337 ; brou^te (praet. 3 s.) : noir^t u. ä. , die bei
Chaucer incorrect wären, sondern auch die behandlung der auf ein e aus-
gehenden Wörter im innern der verse. Nur in seltenen fällen, wie z. b.
graunte 286, give 287, wende 54, seyde 172, mete 257 etc., wird das auslautende
e noch als volle silbe gerechnet und zur ausfüllung der Senkung eines verses
verwendet. In der regel bleibt es unberücksichtigt, nicht bloss vor einem vocal
oder h, wo es elidirt werden kann, wie z. b. That wöld conte and vesite him
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than 2j ; Late us fille a pätiyir 230 etc., sondern auch vor einem consonanten,
wie z. b. The thirde part büt thou g raunte me 286; 7 'kere woldq tio matt saye
näy 45 ; I thanke thee ofthy sond m ; Of all the sönoe that yi been inne 134;
Gbddes sen ke for to wirche 164; Alway thanke we god therfore 227; I teile
gou verament 237 etc.
Ebenso ist das e der pluralendung -es oder der endung des praeteritums
der schwachen conjugation -ed bereits so sehr abgeschwächt , dass diese
endungen im verse mitunter nicht mehr als volle silben gerechnet werden, wie
z. b. He wrong his hon des and wiped sore, 106 ; Grate lives ther-on he fond
200; That I loved päramoitr 501; No l enger kneled he per 198, wenn wir
auch daneben noch vollmessung finden, wie: Goddes Service for to wirche 1-64;
Among the lordes in the halle 326; Among the grite lordes alle 446; As he
kneled on his knie 193; Sehe kissed htm with gläde chere 124 etc.
Das e der endsilbe -er kann vor folgendem vocal verstummen, wie z. b. :
Whether it be silvCr or gold 288; Behold whet her it (I) be fdls or trewe
308 etc.
Endlich können auch zweisilbige Wörter mit kurzer Stammsilbe auf der
hebung verschleift, also im verse nur für eine silbe gerechnet werden , wie
z. b.: Many carilles and grit daunsing 103/ Every yeer Sir Cleges wold 37;
For his love that mdde man 302; This saw I never this tyme of y er e 341;
Spek to tni and täry not Ion ge 356; The cheries wert served thron gh the halle
391 ; Be tnery be my counseyl 393 etc.
Abgesehen aber von diesen , der gesammten mittelenglischen dichtung
eigenthümlichen und auch bei sorgfältigen dichtem , wie z. b. bei Chaucer, an-
zutreffenden freiheiten ist der versbau des Sir Cleges in den uns in beiden hss.
gleichlautend überlieferten versen ein durchaus regelmässiger. Der auftakt
kann zwar fehlen, aber nie oder höchst selten fehlt eine Senkung im innern
des verses, und auftakt sowohl als Senkung sind in metrischem sinne stets
einsilbig. Wenn nun in den ca. 180 versen, die in beiden hss. überein-
stimmen , der versbau ein streng regelmässiger ist, dann dürfen wir von vorn-
herein annehmen, dass auch in den übrigen theilen des gedichtes die ursprüng-
liche fassung correct gebaute verse enthalten hat, die erst im laufe der zeit
unter den händen der Schreiber oder im munde der Vortragenden sänger immer
mehr ausarteten, so dass in dem texte von E oder O auch vielfach verse mit
zweisilbigem auftakt oder zweisilbiger Senkung oder sonstigen Unregelmässig-
keiten stehen, wie z. b. : A corteysear kny%t than he was on E 13; That the
better we may fare all this yere E 236; In oüre gardeyne of a cherytre
E 218; The Castell of Cardytfe he yäue hym thoo E 544; To squyres that
traueyled in lottd of wirre O 16; He t hottet hymselue out to quyte 0 6 3; The
kyng saiv fe chirys frissh and niw O 379; And seyd 'And he graunte pe any
reward O 524 etc.
IV. Dialekt.
Der wahre lautbestand eines mittelenglischen gedichtes lässt
sich bei der willkürlichen Orthographie der Schreiber mit Sicherheit
bekanntlich nur aus den reimen erkennen, die der änderung im
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allgemeinen länger widerstand geleistet haben, als das innere der
verse. In unserem gedichte weichen die beiden hss. allerdings
auch in einer grossen zahl von reimwörtern ab, so dass für die
Feststellung des dialektes nur diejenigen reime beweiskräftig sind,
die in beiden hss. tibereinstimmen. Die nur in einer hs. stehenden
reime sind darum durch Vorgesetzte E oder O kenntlich gemacht.
Für den ursprünglichen laut- und flexionbestand des Sir Cleges
ergiebt sich aus den reimen etwa folgendes:
Ae. a vor nd ist zu o geworden, vgl. lond : sond : wonde (inf.) : bond
(an. londi) in. Ae panne erscheint als than (: matt) 22, 301. E 529; daneben
then (: men) 349. Die ae. brechung ea vor Id wurde zu a und durch spätere
dehnung zu 0 , wie sonst im mittelländischen dialekt, vgl. holde (inf.) : wolde
(prät. 3. sg.) 37; beholde : scholde (prät. 3. sg.) : tnolde : gold 279.
Nur in O 435 finden wir die dem schottischen dialekt eigenthümtiche
bindung von a : ay, nämlich made (prät. 1. sg.) : hade (prät 2. sg.) : deleyd
(part.) : payd (part.); E hat reine a- reime : made : hade : glad : sad. Ae. ä ist
als o gesichert durch die reime so : (un)to 121; also : io : (y)do 414; also :
therto O 544 ; go (inf.) : therto 238 ; goon (inf.) : doon (part.) 49 ; anoon : sötte
O 337 ; booti : on (präp.) 475 ; more : ther fore 226 ; sore : more : before 363. Nur
in O 148 finden wir tnare : care % wofür E sore : more hat. Für ae. <z in pler,
wieron finden wir in unserem gedichte sowohl e als 0, vgl. there : preyere : in
fere : yere 195 ; there : yere E 235; there : porter E 469 ; were : kere (inf.) I ;
were ifrere O 31 ; were : dere E 34 und thore : sore 94. 106. O 442 ; thore \
therfore E 442 ; thore : sore O 442 ; wore : more : sore : nomore 447 ; aber in O
erscheint dafür auch a ; vgl. thare : fare (inf.) O 235 ; %are (ae. gearu) : thare
O 469.
Ae. ie in gie/an, giet erscheint als e in geve (inf.) : releve (inf.) E 31 ;
yet : swete E 313.
Bindung von e : H finden wir nur in je einer hs. , beide (prät. plur.) :
milde E 55 (dafür in O: beide : weide); feile (adj. plur.) : wille O 406 (dafür
in E stille : wille). Dagegen kommen in beiden hss. reime ee : y vor , wenn
auch mit mehrfachen abweichungen; vgl. sikerly : me : trewly E 219; sikerly :
tty : pletitce : treuly O 219; sikerly : nie : be : he 31 5 ; sikerly : me : me : charitee
E 423 (aber be : me : me : charitee O 423) ; three : courtesy 454 ; sikerly : countree
E 496 ; curteisly : three : me : trewly E 507 ; curteisly : why : me : trewly 507.
Der reim eve (ae. (cfeti) \ wyf O 85 ist wohl unursprünglich.
Ae. y ist zu e geworden in stente (ae. styntan) : heute (prät. 3. sg.) :
mente (praet. 2. plur.) 123; stente : wente : verament : sent 183 und in stere (ae.
styrian) : lere (ae. hleor) : chere 147.
In afrz. guerre ist e bereits^zu a verdunkelt, wie der reim wäre : bare
16 beweist.
Afrz. nom. sg. poverte acc. sg. poverte (lat. paupertas — paupertätem) ist
in beiden formen anzutreffen, poverte : kerte 190 und poverlee : sehe: frei journee
243. squier aus afrz. eseuier (lat. scutarius) ist noch nicht zu squire zusammen-
gezogen worden; vgl. squier e : yere E 64; squier e : were (inf.) O 553; squier e :
mattere O 559.
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Afrz. u und ou reimt zwar jedes für sich in stature : feture io; saviour :
konour 376; parlour : honour £481; aber auch beide mit einander: gesture :
stature : paramour : stour E 495 ; goure : stature : paramour : stour O 495.
Die reime quyte (inf.) : almigt : lyte : quyte (inf.) O 63 ; quyte (inf.) :
almigt : ligt : rigt E 63 scheinen darauf hinzudeuten , dass zur zeit der ent-
stehung unseres gedichtes das g in der Verbindung -igt bereits verstummt war ;
doch reimt sonst -igt stets mit sich selbst, nicht mit -yte. Nur in O 339 finden
wir den reim mougte : ywrougt : bougte : oute (ae. üt) , der beweisen würde,
dass auch das gutturale g schon verstummt war ; aber E reimt an dieser stelle
mougte : ywrougt : bougte : nougt '.
Die reime -ythe : -yve finden sich nur in O; vgl. blyve : blythe O 139.
151 (aber swythe : blythe E 139. 151) und blythe : wyf O 550, wofür nach dem
zusammenhange blyve : wyf zu lesen ist.
Von den flexionsformen unseres gedichtes verdienen folgende erwähnung :
Der inf. präs. hat sein -n bereits eingebtisst, nicht bloss in zweisilbigen, sondern
auch in einsilbigen formen; vgl. mähe : sähe 112; blede : wede : rede : (präs.
I. sg.) 327; sende : wende : hende : ende O 567; smyte : tyte E 295 ; Sitte : witte
O 520; holde : wolde 37; holde : sold (part.) 91; beholde : seholde : molde : gold
279; say : awey 157; sey : day \ array : delay 255; be : countree O 43 ; be :
trinitee 202; be : sikerly 1 me 1 he 315. thee (ae. peon) : fee E 436; doch finden
wir neben go : tho 145. 259. 271. 460; go : two 184; go : therto 238; go :
tho : also : to O 471 auch goon : lone (subst.) E 130; goon : everichoon E 285,
während für goon : doon (part.) 49 auch go : do eingesetzt werden könnte.
Im part. prät. ist das -n ebenfalls bereits abgefallen, vgl. (y)do : also : to
41 1 ; holde : olde O 565; lore : pore O 34; doch sind auch formen mit n noch
vorhanden; vgl. lom : bom : befom : skorn O 399; born : beforn : skorn : befom
E 399 -
Die 3. sg. präs. hat die endung - es in dem reime telles : Cleges O 532,
der allerdings wohl unecht ist.
Von formen starker verba begegnen im reime cam (prät. 3. sg.) : than
E 181, com : overgoon O 181 ; was (ae. wces) : pas 292; was : place E 21 1;
was : grace O 496; bede (part. ae. beden) : wede : rede : blede O 327; sy (prät.
3. sg.) : smertly O 310. Als part prät. wird das ursprüngliche adj. sene (ae.
gesyne) verwendet, vgl. sene : clene O 21 1; sene : schene E 388. Ae. boten
(part.) ist zu bom geworden; vgl. born : befom : skorn 399. — Ae. loren (part.)
erscheint als lom : bom : befom : skorn » O 399, als lore : pore O 34 und in der
schwachen bildung lest : feste 70. — Ae. het (prät.) wurde nach ausweis des
reimes zu (be)hette : lette (subst.) : mette (prät. pl.) : grette (prät. 3. sg.) , 459
wofür die hss. (be)higt setzen.
Ae. macöde (prät.) ist zusammengezogen zu made (prät. I. sg.) : hade
(prät. 2. sg.) 435 , letztere form erscheint also ohne die endung ~est. Ebenso ist
endungslos die 2. sg. can : man 490. — may (ae. mag) wird bereits für den
plural (ae. magon) gesetzt; vgl. may (1. pl.) : day : pay 135. Als präteritum
zu may finden wir neben migte \ nigt : rigt 159 auch mougte : ougte (prät. pl.
ae. ähton) O 562 ; in der hs. steht irrthümlich myght : hyght. — Ae. möt blieb
mote : bote 361, wofür in E fälschlich moste gesetzt ist.
Treichel. 3
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Alle diese sprachlichen erscheinungen weisen auf den norden
des englischen mittellandes als entstehungsort des Sir
Cleges hm. Als entstehungszeit dürfen wir , wenn die reime
i$t : yte und ee : y wirklich von dem dichter selbst herrühren,
frühestens den anfang des 15. jahrhunderts ansetzen.
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THESEN
1) In Chaucer’s vers ist sog. klingende epische caesur nicht
vorhanden.
2) Mit Dant in English (Lydgate’s Fall of Princes) ist nicht
Chaucer’s gedieht The House of Farne gemeint (vgl. Chaucer’s
Works ed. by Skeat I, 24), sondern Chaucer selbst: 'der eng-
lische Dante’.
3) Der gegensatz zwischen determinismus und indeterminismus
ist für das System der pädagogik von geringer bedeutung.
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VITA
Adolfus Treichel, Riesenburgiensis , a. d. VII. Kal. Nov.
a. h. s. LXIX natus, parentes veneror mortuos , patrem Jacobum,
matrem Augustam e gente Wisotzki. Fidei addictus sum evan-
gelicae. Litterarum rudimentis imbutus, postquam primum pro-
gymnasium reale Elbingense frequentavi, testimonium maturitatis
vere a. h. s. LXXXX consecutus, Regimontii per IX semestria
studiis linguarum recentium et philosophiae vacavi. Examine pro
facultate docendi, quod dicunt, vere a. h. s. LXXXXV compro-
batus sum.
Interfui scholis virorum illustrissimorum : Appel, Baumgart,
Dehio, Favre, Kaluza, Kissner, Schade, Thiele, Walter.
Sodalis fui Ordinarius seminarii Germanici et Romano-anglici.
Professoribus vero illis illustrissimis, imprimis Maximiliano Kaluza,
qui in elaboranda hac dissertatione benevolentissime me adjuvit,
gratias et ago et habeo.
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Stanford, California
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